Sie haben das Webinar verpasst? Gerne stellen wir Ihnen hier die Vortragsfolien sowie die Webinaraufzeichnung zur Verfügung.

Ihre Fragen aus dem Webinar beantwortet von Dr. Iyad Nassif und Thomas Becker:

Was ist eine Root-Cause-Analyse?

Dr. Iyad Nassif: Bei der Root-Cause-Analyse (auch: Ursachenanalyse) führt man sich einen bestimmten Skandal vor Augen und untersucht dessen Ursache. Bei E.ON nehmen wir uns insbesondere unternehmensexterne Skandale vor (bspw. Airbus, Wirecard, Volkswagen), analysieren die Hintergründe und hinterfragen, ob ein solcher Skandal auch bei uns auftreten kann. Lautet die Antwort "ja", überlegen wir, was wir entsprechend CMS-seitig anpassen müssen, um einen möglichen Skandal zu verhindern.

Richtet sich "groove" an alle Stufen von Mitarbeitern oder nur an Führungskräfte?

Dr. Iyad Nassif: Das Pilotprojekt "groove" richtet sich zunächst einmal an alle Führungskräfte. Auch an solche, die Schlüsselpositionen besetzen und damit ein umfängliches und langjähriges Know-How in eine Abteilung bringen. Zur Chancengleichheit und aus Gründen der Fairness gilt diese Regelung für ausnahmslos alle. Im Rahmen des Projekts wird bei sechs Unternehmen geprüft, wie man Positions-Rotationen fördern kann und ob dies zu messbar mehr Transparenz und mehr Anfangen im Hinblick auf ein mögliches Fehlverhalten führt.

Welche Anforderungen stellen Sie an ein wirksames Whistleblowing-System? Gibt es hierzu eine separate Schulung/Dokumentation?

Dr. Iyad Nassif: Aktuell arbeiten wir mit einem IT-System, vorher haben wir mit einer Rechtskanzlei zusammengearbeitet und über diese unsere Whistleblower-Hotline laufen lassen. Diese Hotline richtet sich jedoch nicht nur an Mitarbeiter, sondern auch an Dritte (bspw. Geschäftspartner), um mehr Transparenz zu schaffen. Ein wirksames Whistleblowing-System hängt entscheidend davon ab, dass die Mitarbeiter einerseits Kenntnis von diesem haben und andererseits den entsprechenden Schutz erhalten, wenn sie als Hinweisgeber fungieren. Gerade der letzte Punkt ist in vielen Unternehmen unzureichend gegeben.

Wie viele Mitarbeiter in Compliance hat E.ON zentral/dezentral?

Dr. Iyad Nassif: 5 FTE (zentral) und jeweils 1 FTE in unseren Tochtergesellschaften.

Gibt es für kleine und mittelständische Unternehmen gute Gründe dafür, auch die kriminellen Mitarbeiter von der Compliance in den Blick nehmen zu lassen? Wie sehen Schulungen für den Fall der "kriminellen Unternehmen" aus? Die Regeln kennen die Täter bereits, sodass die Vermittlung von Regeln hier nicht Erfolg bringend ist, oder?

Dr. Iyad Nassif: Ja, die gibt es. Bei kleinen und mittelständischen Unternehmen sollte dies sogar ausschließlich der Fall sein. Ziel ist es, dass Ihr Unternehmen nicht ins Wanken gerät, sprich nicht von Existenzproblemen bedroht wird. Gerade bei kleineren Unternehmen mit wenigen Ressourcen ist es notwendig, klar zu fokussieren, wo Ihr Schwerpunkt liegen muss. In erster Linie zählt es daher, zu eruieren, wo die Probleme liegen (z. B. anhand einer Business Heat Map). Der Ausgangspunkt muss immer sein, zunächst festzustellen, welche die Hauptrisikoabteilungen meines Unternehmens sind, um dann gezielt dort Präventionsmaßnahmen einzuleiten. Anstelle eines E-Learnings, lade ich mich zum Beispiel in Jour fixe ein, führe Mitarbeitergespräche und lasse mich informieren, wenn ein Mitarbeiter aus dieser Abteilung das Unternehmen verlässt, um dann individuell mit dieser Person zu sprechen.

Was sind Ihrer Meinung die größten Challenges der Due Diligence?

Dr. Iyad Nassif: Die größten Herausforderungen sind, dass man nur das zu sehen bekommt, was man sehen soll/darf. Die Informalität, also das, was sich hinter dem "Vorhang" verbirgt, kommt dabei nicht zum Vorschein.

Wo finde ich die von Herrn Nassif gezeigten Übersicht von Compliance Solutions?

Dr. Iyad Nassif: Die Übersicht finden Sie hier: Compliance Quick Check zum Verbandssanktionsgesetz.

Wie überzeuge ich Top-Führungskräfte (Geschäftsleitung) davon, dass ihre evtl. sehr hierarchischen Strukturen strafbares Verhalten fördern? Dies ist dann ja keine Compliance-Aufgabe, sondern eine HR-Sache (Organisationsentwicklung und Change-Management).

Dr. Iyad Nassif: Genau, auch wir arbeiten hier mit der HR zusammen. Um die Führungsetage zu überzeugen, ist es elementar, diese in den Prozess der Ursachenanalyse mit einzubeziehen und den Geschäftsführern zu zeigen, was Ursache für Missstände sein kann und welche Folgen zu erwarten sind. Dann werden Sie auf offene Türen treffen. Beispielsweise haben wir so auch feststellen können, dass teilweise elementare kulturelle Missstände bestehen (z. B. Angst, Missstände zu äußern).

Kann man in dem Tool Nexis Diligence™ Personen und Firmen überprüfen, also in unterschiedlichen Bereichen im Unternehmen einsetzen?

Thomas Becker: Ja, Nexis Diligence™ wird in allen Bereichen in Unternehmen mit Geschäftspartnerkontakt eingesetzt, um juristische und natürliche Personen zu überprüfen und zu verifizieren und um die Ergebnisse revisionssicher zu dokumentieren.

► Haben Sie weitere Fragen? Schreiben Sie uns:  webinar@lexisnexis.de

 

Für mehr Informationen zur Geschäftspartnerprüfung mit Nexis Diligence™, zur Massenlistenüberprüfung mit BatchNameCheck sowie zur Risikoüberwachung von Geschäftspartnern und Lieferketten mit Nexis® Entity Insight, besuchen Sie unsere Lösungsseiten. Bei weiteren Anfragen, können Sie gerne mit uns Kontakt aufnehmen.

 

Wir freuen uns auf das Gespräch mit Ihnen.

Über die Referenten

 

Dr. Iyad Nassif

E.ON SE

Dr. Iyad Nassif ist Fachanwalt für Strafrecht und (Syndikus-)Rechtsanwalt in der Rechts- und Compliance-Abteilung der E.ON SE in Essen. Seine Tätigkeitsschwerpunkte sind die Sicherstellung von konzernweit bindenden Compliance-Regelwerken (u. a. Anti-Korruptions-Richtlinie) und die Rechtsberatung der strafrechts-relevanten Themen im Konzern (u. a. Anti-Korruption und Geldwäsche). Zudem ist Herr Dr. Nassif Dozent an der Uni-Regensburg und leitet im Deutschen Institut für Compliance den Arbeitskreis Strafrecht.

 

Thomas Becker

LexisNexis GmbH

Thomas Becker ist Business Development Manager Risk & Compliance bei der LexisNexis GmbH. Seit über neun Jahren verantwortet er den Auf- & Ausbau für Süddeutschland & Österreich und betreut branchenübergreifend Compliance-Projekte.